Der Mensch

Im Alter von 25 Jahren steht Boris Grundl auf einer Klippe in Mexiko. Ein ambitionierter Sportstudent – durchtrainiert, attraktiv, lebenshungrig. Hinter ihm liegt der Dschungel, tief unter ihm glitzert das blaue Meer. Boris Grundl tut es den Einheimischen nach und springt von der Felswand, über die der Wasserfall in die Lagune rauscht, in das glasklare Wasser, immer höher und höher. Ein letztes Mal will er springen. Diesmal vom höchsten Punkt.

Plötzlich melden sich bei ihm zwei innere Stimmen. Die eine sagt: „Spring! Jetzt ist der Moment.“ Die andere mahnt zur Vorsicht: „Da stimmt was nicht!“ Zu spät. Er ist nach vorne geschnellt, ohne zu ahnen, dass er das letzte Mal auf eigenen Füßen gestanden hat. Er bricht sich den Halswirbel und sitzt fortan im Rollstuhl. Sein Körper ist seitdem zu 90 Prozent gelähmt.

„Nachdem mein Freund Stefan mich damals aus dem Wasser gezogen hat, wusste mein Kopf, ich war querschnittgelähmt – auch wenn ich es noch nicht richtig begreifen konnte. Wofür war das jetzt gut, fragte ich mich damals. Und: Was geht jetzt noch? Was ist überhaupt noch möglich? Hat dein Leben noch einen Sinn? Komischerweise hatte ich darauf ziemlich schnell eine Antwort: Du könntest mit deinem Leben ein Beispiel geben. Ein Beispiel dafür, was alles in uns Menschen steckt.“

90 Prozent seines Körpers sind unwiederbringlich gelähmt. Es scheint alles verloren: Sport, Karriere, Zukunft. Was ihm geblieben ist, hat er wie kein anderer genutzt: ein klar denkender Kopf, zehn Prozent Restmuskulatur und ein immens starker Wille, gepaart mit großer Ehrlichkeit gegenüber sich selbst. Das genügt: Aus dem Häufchen Elend nach dem Unfall wurde Boris Grundl – ein erfolgreicher Manager, gefragter Führungsexperte und einer der beeindruckendsten Vortragsredner Europas.

Nach dem Unfall beendete Boris Grundl sein Sportstudium an der Deutschen Sporthochschule Köln – als erster Rollstuhlfahrer überhaupt. Zudem studierte er begleitend Psychologie an der Universität Köln. Anschließend arbeitete er sich in Rekordzeit im Management und Vertrieb nach oben, bevor er 2001 sein Institut für Führungskräfte gründete. Auch seine Leidenschaft zum Sport und Wettkampf blieb ihm trotz Rollstuhl bestehen: 1996 wurde er Deutscher Vizemeister im Rollstuhlrugby, 1997 Deutscher Meister im Rollstuhltennis. 1997 wurde er zum besten europäischen Rollstuhlrugby-Spieler gewählt. Nach dem Gewinn des Vizeeuropameister-Titels 1999 nahm er 2000 an den Paralympics in Sydney teil. Heute hält Boris Grund sich mit Kraftsport oder ausgedehnten Handbike-Touren rund um Trossingen und seinem Zweitwohnsitz Mallorca fit.